Psychotherapeutische Praxisgemeinschaft
Doris Reveland
Gertrudenkirchhof 10
20095 Hamburg
Tel. 0179 - 91 33 874

Mein Verständnis von Psychotherapie


Jeder Mensch baut  sich ein inneres Haus mit unterschiedlichen Räumen, getragen von einem Fundament, geschützt, gestützt und begrenzt von Wänden und Mauern,  die  ihn befähigen, mit schwierigen Situationen umzugehen. Sie sorgen dafür, dass seelische Nöte ausgehalten, abgewehrt und verarbeitet werden können. Das Fundament und die Steine der Mauern und Wände  bestehen aus den Talenten, hilfreichen Eigenschaften, Fertigkeiten, positiven Erfahrungen, liebevoller Zuwendung, Trost und vertrauensvollen Menschen.

Wird ein Leid zu groß, beginnen  die Wände und Mauern an einer oder mehreren Stellen zu bröckeln, einige Steine fallen heraus, sie weisen nicht mehr den  erforderlichen Schutz oder die nötige Stärke   auf. Teile werden  brüchig, durchlässig, evtl. unkenntlich, instabil. Das passiert bei Kindern und Jugendlichen schneller als bei Erwachsenen, weil sie sich in ständiger Veränderung befinden. In jeder Altersstufe sind viele Entwicklungsschritte zu bewältigen.

Manchmal wünschen Eltern, Kinder oder Jugendliche Hilfe, um das innere Haus  wieder zu stabilisieren. Hier setzt nach meinem Verständnis Psychotherapie an.  Ich sehe mich als hilfreiche Fachfrau (als Architektin), das Haus, die Wände und Mauern  gemeinsam so passend  und funktional zu gestalten, dass Leid verringert wird.

Dazu bedarf es zunächst einer gemeinsamen Analyse:

  • Welche Teile der Mauer sollen erhalten bleiben?
  • Welche haben sich bewährt?
  • Welche Steine müssen verändert, ausgewechselt, gekittet werden?
  • Welche Wände / Mauern sollen versetzt werden?
  • Wo braucht es Fenster, mehr oder weniger Durchlässigkeit?
  • Welche Stellen brauchen besonderer Pflege?
  • Von welchen Steinen/Mauern kann leicht Abschied genommen werden, welche sind schwieriger zu ersetzen?
  • Welche Pflanzen bereichern, welche sollen entfernt werden?
  • Welche Teile passen zueinander, welche können miteinander verbunden werden?
  • Ist die Stärke angemessen und hilfreich?

Jetzt beginnt die genaue Planung:

  • Was genau sind die Zielvorstellungen?
  • Wie genau soll das fertige Haus aussehen?
  • Womit will das Kind, der Jugendliche, die Familie beginnen?
  • Wie viel Zeit ist notwendig? Wie ist das individuelle Tempo?

Diese werden benötigt, um die Wege dorthin planen zu können.

  • Welche Werkzeuge und Hilfsmittel  werden gebraucht?
  • Welche Helfer_innen können hinzugezogen werden?
  • Welche Fähigkeiten sind notwendig, um das Haus selbstständig erhalten und pflegen zu können?

Nun geht es Schritt für Schritt zum Ziel.

  • Manchmal stellt sich heraus, dass einige Werkzeuge und Hilfsmittel nicht zum erwünschten Ergebnis führen. Dann probieren wir andere aus.
  • Manchmal stellt sich während der Neu-Gestaltung heraus, dass einige Arbeitsschritte schneller oder langsamer vorangehen oder gar neu geplant werden müssen.

Zum Schluss überlegen wir, wie die fertig gestellte Mauer erhalten werden kann.

  • Wie wird das Haus zur Erhaltung gepflegt?
  • Wie können neue Risse gleich erkannt werden?
  • Wie können die Helfer_innen bei Bedarf rechtzeitig benachrichtigt werden?